Curling – Schach auf dem Eis
9 Apr , 2016

Curling – Schach auf dem Eis

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Es gibt wohl nur wenige Sportarten, die so stark polarisieren wie Curling. Während die einen mit großem Interesse stundenlange Fernsehübertragungen verfolgen, gibt es für andere nichts Langweiligeres, als Menschen zuzusehen, die runde Steine über eine Eisfläche schieben. Wegen der vielen taktischen Elemente wird Curling auch als “Eisschach” bezeichnet. Obgleich körperliche Fitness Voraussetzung ist, um diesen Sport ernsthaft zu betreiben, ist dieser Begriff nicht ganz unzutreffend. Curling wird zu den Präzisionssportarten gezählt. Hierbei handelt es sich um Disziplinen, bei denen ein vorgegebenes Ziel möglichst genau getroffen werden muss.

Die Grundregeln des Spiels sind relativ einfach erklärt: Zwei Mannschaften versuchen, ihre Steine näher an den Mittelpunkt des Zielkreises zu bugsieren als der Gegner. Mit speziellen Besen wird die Eisfläche vor dem Stein gewischt. Es entsteht ein Wasserfilm, auf dem der Stein weiter und schneller rutscht. Jedes Team besteht aus vier Spielern (Lead, Second, Third und Fourth). Der Lead hat die Aufgabe, die ersten beiden Steine in einem Spieldurchgang (“End”) möglichst gut zu platzieren. Die Steine werden häufig direkt vor dem “Haus”, einem Kreis von ca. 2 Metern Durchmesser, platziert. So wird ein Hindernis für den Gegner errichtet. Der Lead hat außerdem die Aufgabe, die Steine seiner Mitspieler zu wischen.

Der Second spielt die Steine Nr. 3 und 4. Seine Aufgabe besteht im Wegspielen der gegnerischen Steine (“Take Out”). Auch er wischt die Steine seiner Teamkameraden. Der Third spielt die beiden nachfolgenden Steine und einigt sich mit dem Third des Gegners über den Punktestand. Bei größeren Sportereignissen gibt es in der Regel einen Schiedsrichter, der diese Aufgabe übernimmt. Der Fourth hat die anspruchsvolle Aufgabe, die letzten beiden Steine zu spielen. Aus diesem Grund wird diese Position meist von dem erfahrensten Spieler eingenommen. Der Fourth hat außerdem die Funktion des Teamkapitäns (“Skip”). Er entscheidet über die Spieltaktik und zeigt an, wohin die Mitspieler zielen sollen.

Das Curling bildet einen Gegenpol zu Sportarten, bei denen innerhalb von Sekundenbruchteilen über den Ausgang des Wettkampfes entschieden wird. Im Vergleich zu vielen anderen sportlichen Disziplinen geht es beim Curling eher gemächlich zu. Der Zuschauer hat genügend Zeit, den Spielsteinen zu folgen. Wiederholungen des Geschehens in Zeitlupe sind beim Curling nicht nötig. Dies ist sicherlich einer der Gründe, weshalb diese Sportart bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen regelmäßig hohe Einschaltquoten erzielt. Beim Curling ist es ähnlich wie beim Billard – die Spieler und die Ausrüstung wechseln, doch der Sport bleibt immer derselbe.

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David

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