Wie viel Tourismus vertragen die Alpen?
9 Mrz , 2016

Wie viel Tourismus vertragen die Alpen?

Tourismus_Alpen

Die Alpen haben für Touristen eine besondere Anziehungskraft. Das Hochgebirge, das sich über acht europäische Länder erstreckt, ist seit jeher eine Projektionsfläche für Sehnsüchte und Träume. Durch die starke Einbindung in die wirtschaftliche Entwicklung der Alpen-Anrainerstaaten zieht es seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts immer mehr Städter in die Berge. Kamen die Menschen anfänglich wegen der schönen Naturlandschaften hierher, hat sich das Bild in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt: Sportarten wie Paragliding, Mountainbiking und Skilaufen sind heute die eigentlichen Attraktionen, gegen die die “romantischen” Alpen verblassen.

Die touristischen Infrastrukturen (z.B. Skigebiete und Bergbahnen) wurden in den vergangenen dreißig Jahren massiv ausgebaut. Durch das finanzielle Engagement großer ausländischer Investoren werden einheimische Anbieter immer stärker vom Markt verdrängt. Die zunehmende Technisierung des Alpentourismus ist nicht nur in volkswirtschaftlicher Hinsicht bedenklich, sondern bringt auch eine ganze Reihe ökologischer Probleme mit sich.

Eines der größten Umweltprobleme, die durch Alpintouristen verursacht werden, ist die Zerstörung der Grasnarbe. In vielen Gebieten ist die Zerstörung bereits so weit fortgeschritten, dass sich keine neuen Pflanzen mehr ansiedeln. Ein weiteres Problem ist der Müll, den Wanderer hinterlassen. Vielfach werden Flaschen und andere scharfkantige Gegenstände, an denen sich Tiere verletzen können, in der freien Natur “entsorgt”. Touristen lösen außerdem verschiedene Arten von Lawinen aus. Schon ein einziger Geröllbrocken kann eine verhängnisvolle Wirkung haben. Starker Lärm begünstigt das Entstehen von Lawinen, ebenso das Befahren von Gebieten abseits der ausgewiesenen Skipisten.

Wanderer geben sich in der Regel mit einer Pension und einem Bergführer zufrieden – Skifahrer benötigen dagegen Pisten und Skilifte. Da der Tourismus in vielen Alpenregionen die wichtigste Einnahmequelle darstellt, haben die Einwohner keine andere Wahl, als ihren Ort in ein touristisches Zentrum zu verwandeln – mit zum Teil katastrophalen Folgen für die Umwelt. Innerhalb kürzester Zeit werden Hotels, Restaurants und gigantische Freizeitanlagen hochgezogen. Die viel zitierte “Spaßgesellschaft” hat auch in den Alpen längst Einzug gehalten. In der Schweiz sind die Veränderungen besonders gut sichtbar: Um der Masse an Skifahrern Herr zu werden, die jeden Winter in die Alpen strömen, wurden viele einstmals beschauliche Täler zu Skigebieten umfunktioniert.

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David

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